3.7.2018
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Beruf & Familie: „Vereinbarkeit bleibt Utopie!“

Familienministerin Juliane Bogner-Strauß hat angekündigt, dass ein weiterer Ausbau der Kinderbetreuung für Drei-bis Sechsjährige nicht mehr nötig wäre. „Ich frage mich, wo die Lorbeeren sind, auf denen sich die Bundesregierung hier ausruht“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl. Denn die Kindertagesheimstatistik spricht eine andere Sprache – vor allem in Bezug auf die Öffnungszeiten. „Einen gesetzlichen 12-Stunden-Tag beschließen, aber nicht weiter in Kinderbetreuung investieren – wie soll das gehen“, fragt Anderl.

Nur jede 10. Einrichtung hat länger als 12 Stunden geöffnet 

Nur zehn Prozent der Kinderbetreuungseinrichtungen in Österreich haben länger als zwölf Stunden geöffnet. Diese sind mitunter nötig, um eine Vollzeit-Stelle annehmen zu können. „Sich auf dem Status-quo ausruhen zu wollen, das ist Realitätsverweigerung“, sagt AK Präsidentin Anderl zu den Erläuterungen der Familienministerin. Und dabei ist dieses Bild noch schön gemalt: Denn nimmt man Wien aus der Statistik heraus, hält nur ein mickriges Prozent der Einrichtungen seine Pforten länger als 12 Stunden am Tag offen. Knapp die Hälfte (wieder ohne Wien) schließt bereits um 15 Uhr. „Wer behauptet, dass nicht mehr in die Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen investiert werden muss, hat noch nie Beruf und Familie vereinbaren müssen“, sagt Anderl. Und weiter: „Und dabei reden wir hier nur über die Öffnungszeiten und nicht über den Betreuungsschlüssel oder über zusätzliche pädagogische Angebote im sportlichen, sprachlichen und kreativen Bereich“, so die AK Präsidentin. Zudem würde die fehlende Fortsetzung des Ausbaus, wie es die Familienministerin heute angekündigt hat, Tagesmütter und –väter zu Lückenbüßern degradieren, die an den Tagesrandzeiten einspringen müssen.

Frauen werden in Teilzeit-Jobs gedrängt

Eine Vollzeit-Beschäftigung wird vor diesem Hintergrund vor allem den Müttern weiterhin verwehrt. Besonders schwierig ist für sie die Situation, nach der Karenz wieder in den Beruf einzusteigen. Denn wie soll der Wiedereinstieg nach zwei Jahren gelingen, wenn Österreich das Barcelona-Ziel – eine Betreuungsquote von 33 Prozent der unter Dreijährigen – nicht erfüllt? Dazu Anderl: „Gerade einmal Wien wird dieser Vorgabe gerecht, das Burgenland kommt zumindest in die Nähe, aber auf ganz Österreich bezogen beträgt der Prozentsatz 26,1. Damit hat nur jedes Vierte Kind unter drei Jahren einen Betreuungsplatz. Und dann kommt vielleicht auch noch ein 12-Stunden-Arbeitstag dazu und die Vereinbarkeit wird unmöglich!“ Frauen werden so in Teilzeit-Jobs gedrängt – mit entsprechend niedrigem Einkommen, entsprechend geringen Pensionen und der drohenden Gefahr der Altersarmut.

Kinderbetreuung weiter ausgebauen - für alle Altersgruppen 

Die AK fordert daher einen Ausbau der Kinderbetreuung – und zwar für alle Altersklassen und nicht nur für die unter Dreijährigen. Der Bund muss mindestens jährlich 100 Millionen Euro bereitstellen. Zudem müssen Gemeinden, die in Kinderbetreuungs- und -bildungseinrichtungen investieren, bei den laufenden Kosten für Personal und Instandhaltung budgetär und strukturell unterstützt werden. Die AK setzt sich daher für die Berücksichtigung von Investitionen in Kinderbetreuung im Rahmen eines aufgabenorientierten Finanzausgleichs ein. Das Prinzip, wer mehr investiert, soll mehr bekommen, muss eingeführt werden – sei es im Finanzausgleich oder einem eigenen Fonds für Kinderbetreuung-und -bildung.

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