3.4.2018
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Eltern wollen Erwerbsarbeit besser aufteilen

Immer mehr Frauen mit Kindern unter 15 Jahren gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Der Zuwachs findet allerdings hauptsächlich in Teilzeitarbeitsplätzen statt. Dabei würden sich Eltern die Erwerbsarbeitszeit gerne ausgewogener aufteilen. Das zeigt eine FORBA-Studie im Auftrag der Arbeiterkammer (Basis: Mikrozensus der Statistik Austria). 

Erwerbsarbeit gerechter aufteilen

Während sich in Teilzeit beschäftigte Frauen eine höhere Arbeitszeit wünschen, würden vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer ihre Arbeitszeit gerne verringern. Könnten diese Wünsche umgesetzt werden, wäre die Arbeitszeit von Paaren deutlich gleichmäßiger aufgeteilt als das derzeit in der Realität der Fall ist. Höhere Arbeitszeiten von Männern hingegen schränken die Berufstätigkeit von Frauen ein und erhöhen die Chance auf Ungleichverteilung.

Forderung

Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen - Familie in der AK Wien sagt: „Noch immer ist eine Aufgabenteilung mit dem Mann als Ernährer und der Frau nur als Zuverdienerin vorherrschend. Das ist kein zukunftsweisendes Modell. Frauen brauchen eine eigenständige Existenzsicherung. Hier ist die Politik gefragt.“

Vor allem bei Paaren mit Kindern unter 15 Jahren arbeitet der Großteil der Frauen in Teilzeit. Der Anteil der Frauen, die gar nicht erwerbstätig sind, ist deutlich gesunken. Das ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: die verbesserte Kinderbetreuung, eine bessere Ausbildung von Frauen, eine geänderte Haltung zur Erwerbstätigkeit von Müttern und die größere Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten.

Forderung

„Um die Erwerbstätigkeit von Frauen zu unterstützen brauchen wir einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, ganztägige Angebote, wie Kinderkrippe und Ganztagsbetreuung bis zum Ende der Pflichtschule, eine Ausweitung des Rechts auf Elternteilzeit und Änderung der Lage der Arbeitszeit auch auf Betriebe mit weniger als 21 MitarbeiterInnen“, fordert Ingrid Moritz.

Dabei müssen die Wünsche der Frauen und Männer nach ausgewogeneren Arbeitszeiten berücksichtigt werden: „Die Politik muss Eltern dabei unterstützen, sich die Erwerbsarbeit gerechter aufzuteilen“, fordert AK Moritz. „Das bedeutet auch Männer in ihrer Rolle als Väter zu stärken. Eine generelle gesetzliche Verankerung des 12 Stundentags wird abgelehnt, dadurch würde die Schere bei der Arbeitszeit noch weiter aufgehen. Es braucht eine Entwicklung Richtung „gesunde Vollzeit“ mit einer Arbeitszeitverkürzung. Damit wird auch eine ausgewogene partnerschaftliche Aufteilung von Arbeitszeit erleichtert.“

Basis der Studie

Eine aktuelle Studie von FORBA im Auftrag der AK zeigt interessante Entwicklungen bei der Frage, wie Paare sich die Arbeitszeit teilen – und wie sie sich die Arbeitszeit gerne teilen würden. Basis der Studie sind die Mikrozensuserhebungen von 2005, 2010 und 2015. Dort wurden je ca. 30.000 Paare befragt, ausgenommen jene, die beide selbständig erwerbstätig sind. Basis ist die tatsächlich geleistete Arbeitszeit inklusive Mehr- und Überstunden, abzüglich Urlaube, Feiertage, Krankenstände etc.

Mehr Mamas sind erwerbstätig, allerdings in Teilzeit

Die Zahl der Paare mit Kindern unter 15 Jahren, bei denen die Frau nicht erwerbstätig ist, ist stark gesunken: von 36 Prozent im Jahr 2005 auf 27 Prozent 2015. Im selben Zeitraum ist die Zahl der Paare, wo der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet, deutlich angestiegen:  von 38 auf 48 Prozent. Das so genannte Eineinhalb-Verdiener Modell ist der neue Standard.

Arbeitszeitmuster von Paaren mit Kindern unter 15 Jahren

Grafik © FORBA

*andere: Frau VZ/Mann TZ, Frau VZ/Mann nicht erwerbst., Mann TZ/Frau  nicht erwerbst., Frau TZ/Mann nicht erwerbst.

Mehr Mamas von Kleinkindern sind erwerbstätig

Auch bei Eltern mit Kleinkindern gab es einen starken Anstieg der Erwerbstätigkeit der Frauen: Waren 2005 noch vier von 10 Müttern mit dreijährigen Kindern nicht erwerbstätig, sank der Anteil bis 2015 auf ein Viertel. Auch hier floss der Anstieg zum größten Teil in Teilzeitarbeitsplätze: Zwei Drittel der Frauen arbeiten 30 Stunden oder weniger.

AZ-Muster: Eltern mit 3-jährigen Kindern

Grafik © FORBA


Dass Frauen mit Kindern zunehmend auch einer Erwerbstätigkeit nachgehen, dürfte auf folgende Faktoren zurückzuführen sein: die verbesserte Kinderbetreuung und -bildung, bessere Ausbildung von Frauen, die leichtere Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten, einerseits durch die Elternteilzeit, andererseits durch ein größeres Angebot an Teilzeitstellen, aber auch eine breitere Akzeptanz der Erwerbstätigkeit von Müttern mit kleinen Kindern dürfte hier eine Rolle spielen. 

Auch bei Männern sind Änderungen beim Erwerbsverhalten festzustellen. Bei Vätern mit 3-jährigen Kindern gehen die überlangen Arbeitszeiten zugunsten „normaler“ Vollzeit stark zurück: 46 und mehr Stunden arbeiteten 2015 nur mehr 17 Prozent, zehn Jahre davor waren es noch 27 Prozent.  

Aufteilung: Ein Drittel der Erwerbsarbeit erledigen die Frauen

In der Studie wurde auch die ausgewogene Verteilung der Arbeitszeit innerhalb von Paaren analysiert. Diese wurde mit einem Arbeitszeitanteil der Frauen zwischen 41 bis 50 Prozent definiert. In den letzten 10 Jahren ist es zu keiner ausgeglicheneren Aufteilung der Arbeitszeiten von Paaren gekommen. Lediglich 26 Prozent der Paare mit Kindern bis 15 Jahren hatten eine ausgewogene Verteilung der Arbeitszeit. Bei Paaren ohne Kindern waren es 49 Prozent.

Begünstigt wird eine ausgewogene Arbeitszeitverteilung durch einen hohen Bildungsabschluss von Frauen. Eine Rolle spielt dabei auch das Einkommen des Mannes: Die höchste Arbeitszeit haben Frauen, wenn der Partner ein niedriges Einkommen hat und der Verdienst der Frauen daher für das Familieneinkommen besonders wichtig ist.

Faktoren für eine gleiche Aufteilung

Ungleiche Aufteilung Gleiche Aufteilung
Kleine Kinder Keine Kinder im Pflichtschulalter
Mittlerer Stundenlohn des Partners Niedriges Stundeneinkommen des Partners
Wohnort mit niedriger Bevölkerungsdichte Wohnort in Wien
Längere Arbeitszeit des Partners Geringere Arbeitszeit des Mannes

Eine wesentliche Rolle bei der Verteilung der Paararbeitszeit spielt auch der Wohnort: Wien hat mit 43 Prozent den mit Abstand höchsten Anteil an Paaren mit Kindern unter 15 Jahren, die sich die Arbeitszeit relativ ausgewogen teilen.  

In Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte liegt dieser Anteil bei 31 Prozent. In ländlichen Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte kommt eine ausgewogene Arbeitszeitverteilung zwischen Paaren nur selten vor, diese ist in den letzten 10 Jahren sogar von 28 auf 23 Prozent gesunken. Hier hat das lückenhafte Kinderbetreuungsangebot, der Mangel an Arbeitsplätzen und die Notwendigkeit zu Pendeln dazu geführt, dass die Arbeitszeit der Frauen stärker zurückgegangen ist, als die der Männer (-3,8 im Vergleich zu -2,4 Stunden).

Paare mit ausgewogener Arbeitszeitverteilung nach Wohnort

Anteil der Frauen an Gesamtarbeitszeit 41-50%

Grafik © FORBA

Eltern wollen eine ausgewogenere Aufteilung der Arbeitszeit

Die ungleiche Verteilung der Erwerbsarbeitszeit entspricht nicht immer den Wünschen der Frauen und Männer. Tatsächlich teilen sich 26 Prozent aller Paare mit Kindern die Erwerbsarbeitszeit im Verhältnis 41 bis 50 Prozent auf. Wünschen würden sich eine solche Aufteilung jedoch 33 Prozent aller Paare. 

Es sind hauptsächlich in Teilzeit beschäftigte Frauen, die sich eine höhere Arbeitszeit wünschen. Vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer wollen hingegen ihre Arbeitszeit verringern. Könnten diese Wünsche umgesetzt werden, wäre die Arbeitszeit von Paaren deutlich ausgewogener als das derzeit in der Realität der Fall ist. Teilzeitbeschäftigte Frauen mit Kindern bis 15 Jahren möchten 2,4 Stunden mehr arbeiten. Vollzeitbeschäftigte Frauen würden im Schnitt gerne um 3,2 Stunden weniger arbeiten, Männer um 2 Stunden. 

Höhere Arbeitszeiten von Männern schränken die Möglichkeit von Frauen ein, ebenfalls in größerem Ausmaß berufstätig zu sein. Jede zusätzliche Wochenarbeitsstunde erhöht die Chance auf Ungleichverteilung um 13 Prozent. Eine Ausweitung der täglichen Arbeitszeit auf 12 Stunden hätte jedenfalls nachteilige Folgen auf die partnerschaftliche Aufteilung der Arbeitszeit.

Politik muss eine bessere Aufteilung der Erwerbsarbeit fördern

Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen, Familie in der AK Wien sagt: „Noch immer ist eine Aufgabenteilung mit dem Mann als Ernährer und der Frau nur als Zuverdienerin vorherrschend. Das ist kein zukunftsweisendes Modell. Frauen brauchen eine eigenständige Existenzsicherung. Hier ist die Politik gefragt.“ 

Der Anstieg der Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: die verbesserte Kinderbetreuung, eine bessere Ausbildung von Frauen, die größere Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten und ein geändertes Bild von erwerbstätigen Müttern. 

Umgekehrt wollen aber auch die Väter nicht nur auf die Rolle des Ernährers reduziert werden, sondern möchten auch mehr Zeit für ihre Familie haben.

Forderung
  • „Es braucht eine Entwicklung Richtung „gesunde Vollzeit“ mit einer Arbeitszeitverkürzung. Damit wird auch eine ausgewogene partnerschaftliche Aufteilung von Arbeitszeit erleichtert.“

  • „Um den Trend fortzusetzen brauchen wir einen weiteren Ausbau der Kinderbetreuung, ganztägiger Öffnungszeiten von der Krippe bis zum Ende der Pflicht-Schule sowie eine Ausweitung des Rechts auf Elternteilzeit und Änderung der Lage der Arbeitszeit auch auf Betriebe unter 21 MitarbeiterInnen“, fordert AK Moritz.

  • Frauen dürfen nicht in der Teilzeit-Falle landen: „Die Politik muss Eltern dabei unterstützen, sich die Erwerbsarbeit gerechter aufzuteilen“, fordert AK Moritz. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch ein Rechtsanspruch auf einen Papamonat, um sofort nach der Geburt eines Kindes Anreize für eine Väterbeteiligung an der Kinderbetreuung zu setzen. Entschieden abzulehnen ist hingegen eine generelle gesetzliche Verankerung des 12-Stundentags. Damit würde die Schere bei der Arbeitszeit nur noch weiter aufgehen.

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