29.8.2016
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Veranstaltung: Industrie 4.0

Welche Auswirkungen hat Industrie 4.0 auf den Arbeitsmarkt? Welches Potenzial birgt sie für eine bessere Qualität der Arbeitsplätze? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Veranstaltung „Industrie 4.0 – Optionen für Beschäftigung und Arbeit“. 

ES DISKUTIEREN

AK Präsident Rudi Kaske, Gewerkschaftsvorsitzender Rainer Wimmer von der ProGe und ein Vertreter der GPA-djp, Rudolf Wagner diskutieren mit Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Uni Regensburg, mit Jörg Flecker (FORBA) sowie mit Julia Bock-Schappelwein vom WIFO.

Veränderungen aktiv mitgestalten

„Wir als ArbeitnehmerInnenvertretung sehen es als unsere Aufgabe, die Veränderungen durch den digitalen Wandel im Sinne der Beschäftigten aktiv mitzugestalten“, stellt AK-Präsident Rudi Kaske klar. Forschung und die Anwendung neuer Technologien in den Betrieben sind eine wichtige Voraussetzungen für Produktivitätswachstum – und damit für anständiges Einkommen, Beschäftigung, faire Verteilung und gute Arbeit. Aber, so Kaske: „Den von den Veränderungen betroffenen Menschen muss das Rüstzeug mitgegeben werden, mit dem sie diesen Wandel positiv bewältigen können. Und: Wir werden eine faire Verteilung der erwarteten zusätzlichen Produktivität einfordern, um auch hinkünftig unser Sozialsystem abzusichern.“

Die neuen technologischen Möglichkeiten sind deshalb eine Chance und eine  Gestaltungsaufgabe, an der sozialpartnerschaftlich gearbeitet werden muss.

PLATTFORM INDUSTRIE 4.0

Der Verein „Industrie 4.0“ wurde genau für diesen Zweck im Vorjahr gegründet – alles über die Plattform und Neuigkeiten finden Sie auf dieser Homepage.

Die Arbeit wird uns nicht ausgehen

Von Industrie 4.0 als „Jobkiller“ ist gerne die Rede – doch nicht alle Zahlen, die herumschwirren, sind seriös. Professor Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich die Folgen für den deutschen Arbeitsmarkt in seiner Studie genau angeschaut. Er kommt zu dem Schluss: „Die Arbeit wird uns auch durch die Digitalisierung nicht ausgehen. Allerdings ändern sich Anforderungen und Tätigkeiten, Arbeitsplätze werden umgeschichtet.“ Für diese Veränderungen hat Österreich genauso wie  Deutschland gute Voraussetzungen. Um im Zeitalter von Industrie 4.0 erfolgreich sein zu können, müssen beide Länder ihre Stärken aber auch weiterentwickeln. 

PRÄSENTATION

Alle Unterlagen zur Präsentation von Enzo Weber finden Sie hier!

Die Studie: Industrie 4.0 – Folgen für Arbeitsmarkt und Wirtschaft

Das IAB hat verschiedene Szenarien analysiert: Welche Folgen wird Industrie 4.0 für Arbeitsmarkt und Wirtschaft haben? Hier finden Sie die Einschätzungen für den deutschen Arbeitsmarkt.
Prof. Enzo Weber hat die Ergebnisse in einem Gastkommentar im Blog Arbeit & Wirtschaft außerdem aufbereitet und übersichtlich zusammengefasst

Rechtzeitig Weichen stellen

Neue Anforderungen und Tätigkeitsprofile, das heißt vor allem: Entscheidend werden im digitalen Wandel Bildung und Weiterbildung sein. Julia Bock-Schappelwein (WIFO) betont: Der fortschreitende Wandel der Wirtschaft erzeugt einen hohen Anpassungsbedarf am Arbeitsmarkt. Dieser verlange Flexibilität, sowohl von Betrieben als auch von Arbeitskräften. Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik seien daher gefordert, rechtzeitig Weichen zu stellen, sodass Arbeitskräfte in diesem Prozess mithalten können.

PRÄSENTATION

Alle Unterlagen zur Präsentation von Julia Bock-Schappelwein finden Sie hier!

Videoblog von Julia Bock-Schappelwein 

Zugewinne fair verteilen

Denn: Der technische Wandel unterliegt keinen Naturgesetzen, sondern ist gestaltbar. Rudolf Wagner von der Gewerkschaft GPA-djp sieht dabei ganz zentral die Notwendigkeit, dass Zugewinne aus Industrie 4.0 fair verteilt werden: „Daran werden wir uns als Gewerkschaften aktiv beteiligen. Die Digitalisierungsgewinne dürfen nicht bei einer kleinen Schicht konzentriert bleiben.“ Denkbar sei eine Art „Wertschöpfungsabgabe 4.0“, um Wohlstandsgewinn für alle Menschen durchzusetzen. 

Verbesserte Arbeitsbedingungen politisch durchsetzen 

Vierte industrielle Revolution oder doch nur ein langsamer Wandel? Jörg Flecker ist Mitautor einer von der AK Wien in Auftrag gegeben FORBA-Literaturrecherche und ist zu dem Ergebnis gekommen: Die Innovationen in den Betrieben kommen nur schrittweise. Er stellt fest: „Es gibt bereits viel Erfahrung mit Automation. Man sollte sich also von den vollmundigen Ankündigungen nicht überrumpeln lassen“. 

Chance für bessere Arbeitsbedingungen

Industrie 4.0 heißt für Flecker aber nicht nur technische Veränderung. Viel spannender ist die Frage: Wie können die technischen Möglichkeiten aktiv genutzt werden, um die Arbeit bewusst zu verändern um die Qualität der Arbeit zu steigern? Denn: „Wie Technik entwickelt, gestaltet und eingesetzt wird, welche organisatorische Gestaltung dabei gefunden wird, ist nicht von der Technik bestimmt. Vielmehr hängt das von ökonomischen und gesellschaftlichen Interessen und Zielen ab.“ Ein Ziel könnte durchaus die Verbesserung der Arbeitsbedingungen sein, also die Humanisierung der Arbeit. Diese wird sich aber nicht als Nebeneffekt technischer Neuerungen automatisch ergeben, sie muss vielmehr aktiv angestrebt und politisch durchgesetzt werden. 

PRÄSENTATION UND STUDIE

Alle Unterlagen zur Präsentation von Jörg Flecker finden Sie hier.

Die gesamte FORBA-Studie „Industrie 4.0 – eine arbeitssoziologische Einschätzung“ für die AK Wien ist hier nachzulesen.

Wie weiter?

Doch wie kann dieses Gestalten des digitalen Wandels gelingen? Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft ProGe, Rainer Wimmer, sieht bereits jetzt großen Handlungsbedarf: „Industrie 4.0 kommt nicht, sondern hat bereits begonnen.“ Um gemeinsam mit den betroffenen Menschen bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, braucht es starke Betriebsräte und eine neue Qualität der Mitbestimmung. 

Bildung 

Neue Berufsbilder, andere Qualifikationen: Für Rainer Wimmer sind daher einerseits massive Investitionen in Bildung nötig, andererseits braucht es auch entsprechende Instrumente wie den Rechtsanspruch auf Bildungsfreistellung. 

Arbeitszeitverkürzung 

Um ArbeitnehmerInnen an der Produktivitätssteigerung teilhaben zu lassen, sind moderne und innovative Formen der Arbeitszeitverkürzung für Wimmer das beste Instrument. Vorhandene Arbeit muss fair verteilt werden. 

Wertschöpfungsabgabe 

Er erklärt:  „Wir wissen, dass wir mit immer weniger Menschen immer mehr erzeugen können. Aber dann müssen wir auch intensiv darüber nachdenken, wie wir künftig den Sozialstaat finanzieren. Es wird eine Entlastung des Faktors Arbeit und dafür eine Abgabe auf die Wertschöpfung brauchen. Denn die Wertschöpfung wird sich weiter von den Menschen weg, hin zu Maschinen verlagern.“

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