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Was ist Industrie 4.0?

Industrielle Produktion ohne menschliche Beteiligung? Sind Arbeiterinnen und Arbeiter durch technologischen Fortschritt ein Auslaufmodell? Was Schlagworte wie „Industrie 4.0“ und „intelligente Fabrik“ meinen, und was die Entwicklungen für ArbeitnehmerInnen bedeuten. 

Was ist Industrie 4.0?

So kennt man Fabriken: Um ein Produkt herzustellen, führen komplexe Maschinen der Reihe nach einzelne Arbeitsschritte aus – betreut, überwacht und zuvor programmiert von Menschen. Mit Industrie 4.0 soll sich das jetzt ändern: Die Produkte sollen ihre Herstellung „selbst organisieren“ und „wissende Werkstücke“ sein.
Das heißt: Die Maschinen selbst sind lernfähig und können mit dem Objekt, das sie fertigen, kommunizieren. Dazu muss der ganze Produktionsprozess digital gesteuert und vernetzt sein.

BEISPIEL

Harley Davidson bietet seinen KundInnen an, sich ein Motorrad ganz nach ihren Vorstellungen anfertigen zu lassen. Dazu müssen sie lediglich online ihre Vorlieben eingeben.

Aus diesen Vorlieben generiert das System einen Auftrag: Erst kommuniziert es an das Einkaufsystem, welche Rohstoffanforderungen bestehen. Dann kommen Sensoren und Chips ins Spiel: Mithilfe dieser kommunizieren Rohstoffe und Einzelteile ihren Bearbeitungsstatus, buchen sich ihre Bearbeitungszeit an den Maschinen und organisieren sich ihren Weg durch die Wertschöpfungskette. Am Schluss informiert das nun fertige Motorrad seine Auslieferung an die Logistik und die KundInnen.

Diese können nun ihre Zufriedenheit mit der Maschine und ihre Nutzungsdaten an Harley Davidson kommunizieren - was wiederum in die Entwicklung der zukünftigen Produktpalette einfließt.

Was bringt die Digitalisierung? 

Für die Unternehmen

Für die Unternehmer bringen diese neuen Entwicklungen einige Vorteile: Sie können effizienter und flexibler produzieren und vor allem eine Produktivitätssteigerung verbuchen. Außerdem lassen sich auf diese Weise schnell und kundenorientiert Spezialanfertigungen produzieren – ohne große Extrakosten. 

Für die ArbeitnehmerInnen

Eine stärkere Digitalisierung der Arbeit bietet für die ArbeitnehmerInnen natürlich die Chance, dass körperliche Belastungen abnehmen und Arbeitszeit und Beschäftigung fairer verteilt wird. Moderne Arbeitszeitmodelle und Arbeitszeitverkürzung werden möglich. 
Außerdem entstehen gerade im hochqualifizierten Bereich durch den digitalen Wandel zahlreiche neue Aufgabengebiete und damit neue Berufe.

Jobkiller Industrie 4.0?

Werden Menschen durch immer neue Maschinen aus der Arbeitswelt verdrängt und am Ende nutzlos? Diese Frage ist mindestens so alt wie die Industrie selbst – doch durch die rasende Digitalisierung bekommt sie eine neue Dringlichkeit.
Über die Folgen für die Beschäftigung schwirren viele Zahle herum. Eine genaue Prognose darüber, wie viele Arbeitsplätze durch die neuen Entwicklungen verloren gehen, oder an anderer Stelle neu entstehen, kann heute niemand seriös vorhersagen.

Das deutsche Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat verschiedene Szenarien analysiert: Welche Folgen wird Industrie 4.0 für Arbeitsmarkt und Wirtschaft haben? Hier finden Sie die Einschätzungen für den deutschen Arbeitsmarkt.
Enzo Weber hat die Ergebnisse in einem Gastkommentar im Blog Arbeit & Wirtschaft außerdem aufbereitet und übersichtlich zusammengefasst.

WAS WIR WISSEN
  • Durch die neuen Prouktionsweisen werden sich viele Jobs am Arbeitsmarkt verschieben.
  • Am Arbeitsplatz selbst wird sich in den Abläufen und Aufgaben viel verändern.

Was wir fordern

Die AK möchte diese Entwicklung im Interesse der ArbeitnehmerInnen aktiv gestalten:

  • Die Gewinne, die durch die höhere Produktivität entstehen, müssen fair verteilt werden.
  • Neue Technik bringt auch neue Aufgaben und erfordert deshalb neue Qualifikationen. Auf diese Anforderungen müssen wir rechtzeitig reagieren, um Beschäftigungsperspektiven für alle zu gewährleisten. Unser Ziel ist es, digitale Kompetenzen zu einem integralen Bestandteil der Bildung zu machen – von der Basisbildung über die spezifische Berufsbildung bis hin zur betrieblichen Weiterbildung.
  • Das bedeutet auch: Das Investitionsvolumen und die Forschungs- und Entwicklungsausgaben von Unternehmen und Staat müssen gesteigert werden.
  • Der Mensch und die Qualität der Arbeit müssen weiterhin im Mittelpunkt stehen. Daher brauchen wir gelebte betriebliche und überbetriebliche Mitbestimmung. 

Was wir tun

Wir haben als AK den Verein Industrie 4.0 mitbegründet. Damit begleiten wir künftige Entwicklungen in der industriellen Produktion und binden die Perspektiven von Wirtschaft, Forschung und Politik mit ein. Herausfinden möchten wir unter anderem: Was muss sich bei den Qualifikationen der Menschen ändern? Welche Rolle haben die ArbeinehmerInnen in der digitalen Fabrik? Was sind die Geschäftsmodelle der Zukunft und welche neuen Standards und Normen brauchen wir dafür?

MEHR DAZU

Alles über die Aktivitäten der Plattform Industrie 4.0 und aktuelle Neuigkeiten zum Thema finden Sie hier.

Weiterlesen und informieren

Videoblog

FORBA-Expertin Annika Schönauer schildert im Videoblog, welche Herausforderungen die Arbeitswelt 4.0 mit sich bringt.


BLOG ARBEIT & WIRTSCHAFT

Aktuelle Kommentare und ausführliche Analysen zu Fragen des digitalen Wandels in der Arbeitswelt finden Sie im gemeinsamen A&W-Blog von AK und ÖGB.


Veranstaltung: Industrie 4.0

Welche Auswirkungen hat Industrie 4.0 auf den Arbeitsmarkt? Welches Potenzial birgt sie für eine bessere Qualität der Arbeitsplätze?

Die Zukunft der Mitbestimmung

Die Digitalisierung bringt neue Herausforderungen für BetriebsrätInnen: Welche Kompetenzen und Instrumente brauchen sie für kommende Veränderungen?

Ideen als Plus für Beschäftigte

Eine neue Studie zeigt: Innovationen bringen nicht nur den Unternehmen Erfolg, sondern wirken sich auch positiv auf die Beschäftigungsentwicklung aus.

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