Handytarife: Reden und Surfen oft „außer Takt“

Handytelefonate werden bei den meisten untersuchten Anbietern aus­schließ­lich in vollen Minuten abgerechnet. Nur zwei Anbieter rechnen – alle oder zu­mindest einzelne Tarife – sekundengenau ab.

Bei der Datennutzung wird es sehr unübersichtlich: Sowohl zwischen den An­bietern als auch bei den Pro­dukt­en der einzelnen Anbieter wird sehr unter­schied­lich getaktet. Der Daten­takt kann sich sogar noch nach Verbrauch der in­kludierten Datenmenge ändern. Das zeigt ein aktueller AK Test bei 17 An­biet­ern für insgesamt 189 Handy- und Internettarifmodelle.

Die AK hat im April bei 17 Anbietern 113 Handytarife und 76 mobile Inter­net­tarife untersucht: A1, T-Mobile, DREI, bob, tele.ring, HoT, Red Bull Mobile, yesss!, S-Budget, UPC, spusu, Ge org!, wowww!, yooopi!, VOLmobil, Allianz und eety.

Der Takt macht den Preis aus

Die überwiegende Anzahl der Anbieter (15 von 17) rechnet Handygespräche ausschließlich in vollen Minuten ab – 60/60. Nur spusu taktet alle Gespräche im Sekundentakt. DREI hat ebenfalls einen Standardtarif mit der Taktung 1/1 (Sekundentaktung). „Bei einer sekundengenauen Abrechnung kommen die Konsumenten zweifellos am besten weg“, sagen die AK Kon­sum­ent­en­schütz­er­Innen.

So kommt in Summe bei 102 Tarifen (90,3 Prozent) die Minutentaktung zur An­wendung und nur bei elf Tarifen (9,7 Prozent) die Sekundentaktung.

Beispiel

Herr A. ruft in ein Fremdnetz an. Die Kosten: 20 Cent pro Minute so­wohl bei einer theoretischen Tarifvariante mit Sekundentaktung wie auch beim Tarif mit Taktung einer Minute (60/60). Die Mobilbox meld­et sich. Herr A. möchte nicht darauf sprechen, sondern legt so­fort auf. Verbindungsdauer: eine Sekunde. Vergebührung bei einem Tarif mit Sekundentaktung: eine Sekunde = 0,33 Cent; beim Tarif mit 60/60-Taktung: 60 Sekunden = 20 Cent. „In diesem Fall sind die Ver­bind­ungskosten bei der Minutentaktung 60-mal so hoch wie die Ver­bindung mit einer Sekundentaktung“, rechnen die AK ExpertInnen vor.

Bei der Internettaktung gibt es auch beachtliche Unterschiede zwischen den Anbietern, aber auch innerhalb der Produkte der einzelnen Anbieter. Im best­en Fall wird byteweise abgerechnet, im ungünstigsten Fall findet sogar eine 1-MB-Taktung statt. Ein MB sind 1.024 KB. Das bedeutet: Bei einem E-Mail-Check mit vielleicht fünf KB Datenverbrauch werden in einem Fall genau die fünf KB abgebucht. Im anderen Fall aber ein MB – das ist mehr als das 200-Fache als bei der günstigen bytegenauen Taktung.

Nur neun von 17 untersuchten Anbietern takten alle ihre Produkte gleich. Bei acht Anbietern werden jedoch ihre angebotenen Produkte unterschiedlich ge­taktet. Womit die wenigsten rechnen: Bei manchen Produkten ändert sich die Taktung auch abhängig davon, ob man sich innerhalb des Frei­daten­kon­tin­gents bewegt oder außerhalb.

Taktung soll einheitlich und möglichst ver­brauchs­ge­nau sein!

Mittlerweile sind Minuten-Taktungen bei Handygesprächen die Regel. Auch beim Internet wird uneinheitlich und zum Teil in großen Datenblöcken ab­ge­rech­net. Das zeigt ein aktueller AK Test. Die AK verlangt eine einheitliche Takt­ung, am besten sekunden- oder bytegenau. Die Verrechnungstaktung ver­schleiert oft die wahren Kosten von Anrufen oder der Datennutzung. Tarif­ver­gleiche werden dadurch erschwert, kritisiert die AK.

Entsprechende Vorgaben durch den Gesetzgeber würden dazu beitragen, die Kostentransparenz für KonsumentInnen erheblich zu verbessern.

Waren vor einiger Zeit noch halbminütige Intervalle bei Gesprächen üblich, sind mittlerweile Minuten-Taktungen die Regel. Bei der Abrechnung von Daten könnten die Bedingungen kaum uneinheitlicher sein: Im besten Fall wird byte­weise abgerechnet, im ungünstigsten Fall wird in 1-MB-Schritten abgerechnet. Dabei wird bei jeder Trennung der Verbindung der volle Takt verrechnet, wo­mit InternetnutzerInnen in der Regel mehr Daten verrechnet werden, als sie tatsächlich konsumieren.

Die österreichische Entwicklung entspricht nicht mehr dem europäischen Trend: Die EU-Kommission sieht in ihrer Roaming-Verordnung vor, dass Mobil­funkanbieter an- und abgehende Roaminganrufe grundsätzlich sekunden­ge­nau verrechnen müssen. Bei abgehenden Anrufen dürfen die Anbieter eine Min­destgesprächsdauer von höchstens 30 Sekunden verrechnen. Daten­roam­ing muss kilobytegenau abgerechnet werden.

Tipp

  • Auf den Takt schauen: Wählen Sie einen neuen Tarif, achten Sie auf die Datentaktung. Bevorzugen Sie jenen Tarif, der bei ähnlichem Leist­ungsspektrum möglichst niedrige Taktzeiten aufweist. 
  • Verbindung reißt ab, höhere Kosten: Sind Sie an einem Standort mit schlechter Verbindung, und das Handy baut die Verbindung auto­matisch wieder neu auf? Es können auch recht hohe Frei­daten­kontingente bei einer ungünstigen Datentaktung von etwa 0,5 bis ein MB pro Takt schnell aufgebraucht werden, ohne eine hohe tatsächliche Datennutzung erzielt zu haben. 
  • Neuer Aufbau, neuer Takt: Der Aufbau von WLAN-Verbindungen kann zum Abbau der Netzverbindung und somit zur Beendigung der aktuellen Session führen. Ein neuerlicher Netzaufbau bedeutet wiederum neue Session und neuer Mindesttakt.

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