Vorzeitige Kündigung eines Bau­spar­ver­trag­es

Bausparern drohen hohe Spesen: Wer seinen Bausparer verfrüht kündigt oder das vereinbarte Sparziel nicht erreicht, den kommt das teuer zu stehen, warnt die AK.

Speziell die Kündigungsbedingungen im „Kleingedruckten“ der vier Bau­­spar­kassen sind sehr kompliziert – und bestenfalls für „Tüftler“ ver­ständ­lich. Die vier Bausparkassen (Raiffeisen, Start: Bausparkasse, S-Bausparkasse, Wüstenrot) bieten in der Regel Verträge mit variabler oder fixer Verzinsung an. Die Bausparverträge laufen sechs Jahre lang.

Wer seinen Bausparvertrag verfrüht auflöst, zahlt drei Mal drauf

Vorsicht, wer seinen Bausparvertrag verfrüht auflöst, zahlt drei Mal drauf. „Das Sparguthaben wird rückwirkend abgezinst, die staatliche Prämie einbehalten und ein Verwaltungskostenbeitrag fällig“, wissen die AK Konsumentenschützer. Konkret:

  • Weniger Guthaben: Das Guthaben wird rückwirkend mit einem Mini­mal­zins­satz abgezinst, und zwar nachträglich auf 0,1 Prozent oder 0,125 Prozent ab Vertragsbeginn. Eine Bausparkasse sieht die Halbierung der Zinsen vor.

  • Weniger Prämie: Die staatliche Prämie wird rückverrechnet. Sie beträgt 1,5 Prozent von der geleisteten Spareinlage bis zu einem jährlichen Höchst­be­trag von 1.200 Euro.

  • Teurer Kündigungsbeitrag: Es fällt ein Kündigungsbeitrag an, der so­ge­nannt­e Verwaltungskostenbeitrag. Zwei Bausparkassen verrechnen die Spesen als Prozentsatz von der Vertragssumme (gestaffelt je nach Auf­lös­ungs­zeit­punkt). Zwei orientieren sich bei der Berechnung an der Sparleistung. Kon­kret: S Bausparkasse: 1,5fache des monatlichen Sparbeitrages (gestaffelt nach Laufzeit), zwischen gänzlicher Verrechnung bis zu 20 Prozent davon im sechsten Jahr; Raiffeisen: zwischen 0,5 Prozent (sechstes Jahr) und zwei Pro­zent (erstes und zweites Jahr) der vereinbarten Sparleistung; Wüstenrot: zwischen 0,15  Prozent (sechstes Jahr) und 0,75 Prozent (erstes Jahr) der Ver­tragssumme; Start: Bausparkasse: zwischen 0,12 Prozent (sechstes Jahr) und 0,6 Prozent (erstes und zweites Jahr) der Vertragssumme.

Es geht sogar ins Geld, wenn die vereinbarte Sparleistung nicht erreicht wird. Auch dann wird der Verwaltungskostenbeitrag fällig.

Beispiele

Zwei Beispiele: Frau L. kündigt ihren Bausparvertrag nach einigen Monaten der Vertragslaufzeit. Sie hat rund 1.576 Euro bis zur Auf­lös­ung angespart. Der Verwaltungskostenbeitrag beträgt 147 Euro, die Zinsenrückverrechnung 10,15 Euro und die rückgerechnet staatliche Prämie 23,25 Euro. In Summe betragen die Auflösungskosten 180,40 Euro. Herr H. erreicht zum Laufzeitende nicht die vereinbarte Spar­leist­ung von 7.200 Euro. Die Folge: Mit der letzten Abrechnung wur­den 122,50 Euro für den Verwaltungskostenbeitrag sowie 81,32 Euro für Zinsenrückbuchung abgezogen – in Summe also 203,82 Euro.

„Die Auflösungsmodalitäten sind kompliziert und daher schwer vergleichbar“, resümieren die AK ExpertInnen. „Die Infos zur Kündigung sind zudem im ‚Klein­gedruckten‘ verstreut und teils kompliziert formuliert. Hinzu kommt, dass die Zinsen beim Bausparer jetzt niedrig sind.“

Forderung

Die AK fordert nicht nur nachvollziehbare Klauseln in den Be­ding­ung­en, sondern auch eine Deckelung der Kündigungskosten: Sie sollten nicht so hoch sein, dass die einbezahlte Sparleistung verringert wird. Damit soll vermieden werden, dass BausparerInnen weniger her­aus­be­kom­men, als sie einbezahlt haben.

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