Zahlungsschwierigkeiten © kawee, adobe.stock.com
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19.08.2021

AK Praxistest: Kredite

Bei den Kreditzinsen und vielen Spesen gibt es enorme Unterschiede. Das zeigt ein AK Mystery Shopping Test bei 13 Banken in Wien. Kreditversicherungen sind ein fester Bestandteil in den meisten Angeboten – mit teuren Prämien, die manchmal klammheimlich in den Offerten inkludiert sind. Und das, obwohl laut dem Klein­ge­druckt­en der Abschluss „freiwillig“ ist. Die gesetzlich vor­ge­seh­en­en Musterofferte hingegen sind Mangelware.

„Wer sich zum Beispiel für einen Autokauf einen Konsumkredit aufnehmen möchte, soll genau die Konditionen studieren“, rät AK KonsumentInnenschützer Christian Prantner. Denn trotz Rekordtief der Geld- und Kapitalmarktzinsen sind die Zinsen für Konsumkredite vergleichsweise hoch: laut OeNB-Zinssatzstatistik 5,6 Prozent ohne Nebenkosten. Die AK hat eine Mystery Shopping Erhebung bei 18 Banken in Wien gemacht (zehn Filialbanken, drei Direktbanken mit Online-Kreditangeboten, fünf machten keine Angaben). Gefragt wurde nach einem Kredit für eine Autofinanzierung: 13.500 Euro, Laufzeit fünf Jahre. 

Die AK Mystery Shopping Erhebung zeigt 

  • Große Zins-Bandbreiten: Die Zinsen sind bonitätsabhängig. Es gibt von Bank zu Bank große Unterschiede. Die angebotene Bandbreite betrug drei bis 6,8 Prozent.
     
  • Erhebliche Nebenspesen: Nur vier von 13 Banken haben eine einmalige Bearbeitungsgebühr zwischen ein und drei Prozent des Kreditbetrages verlangt, die restlichen keine. Zudem können eine Menge von Zusatzspesen anfallen – zu Vertragsbeginn (etwa „Erhebungs-“, „Lohnvormerk-“, „Bonitätsauskunftgebühr“), aber auch laufend. Die Spesen für das Kreditverrechnungskonto können besonders ins Gewicht fallen. Vier von 13 Banken verrechneten diesen Spesensatz nicht. Neun verlangen Spesen für das Kreditverrechnungskonto zwischen 12,50 Euro (RLB NÖ Wien) und 34,89 Euro pro Quartal (BKS). Im Schnitt (Median) fallen 14,70 Euro pro Quartal an – das sind 294 Euro, gerechnet auf fünf Jahre Laufzeit. Im teuersten Fall betragen die Spesen für das Kreditverrechnungskonto 697,80 Euro (gerechnet auf fünf Jahre Laufzeit). Auffallend: Die Spesen blieben in fast allen Beratungsgesprächen gänzlich unerwähnt.
     
  • Kreditversicherung oft aufgedrängt: Die meisten Filialbanken (sieben von zehn) inkludierten eine Kreditversicherung im Angebot. Zwei von zehn verlangten ausdrücklich den Abschluss einer Kreditversicherung. Manchmal tauchte die Prämie für den Testkäufer unerwartet in den Unterlagen auf. So machten drei BankberaterInnen kein großes Thema um den Versicherungsschutz, sondern rechneten die Prämie einfach im Kreditoffert ein. Zwei weitere BankberaterInnen erläuterten ausführlich verschiedene Tarifvarianten und gaben somit unausgesprochen eine Kreditversicherung als fix an. Die vorgerechneten Einmalprämien waren keine Kleinigkeit – von 602 bis 4.270 Euro – häufig ohne weitere Erläuterungen zum Leistungsumfang. "Im Regelfall werden diese Einmalprämien einfach dem Kreditbetrag zugeschlagen“, erläutert Prantner, „man finanziert also die Prämienzahlung über den Kredit. Das kostet nochmals Zinsen und Spesen. Kreditversicherungen sind für die Banken ein gutes Geschäft. Die Aussicht auf lukrative Provisionen für die Versicherungsvermittlung erklären, warum sie so offensiv angeboten werden“, resümiert Prantner. „Es besteht ein erheblicher Abschlussdruck, auch wenn im Kleingedruckten stand, dass der Vertragsabschluss ‚freiwillig‘ ist.“

  • Mangelware Musterofferte: Die gesetzlich vorgesehenen Musterofferte wurden kaum verwendet. Nur zwei von zehn Filialbanken und alle drei Direktbanken lagen zwar die gesetzlich vorgeschriebenen „Europäischen Standardinformationen“ – also das Musteroffert mit standardisiertem Aufbau – den Offerten bei. Im Vordergrund standen aber auch hier immer die bankeigenen Konditionenblätter – nicht jedoch die Musterofferte.

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Den AK-Praxistest können Sie hier herunterladen

Klarere Kreditangebote für KonsumentInnen!

Neue EU Verbraucherkreditregeln verbessern – KonumentInnen brauchen bessere Informationen zum Kreditangebot – AK hat neue Kredit-Checkliste zum besseren Angebotsvergleich erstellt.

Die AK will Nachschärfungen in der von der EU vorgelegten Novelle zur Ver­braucher­kredit­richtlinie. So soll die neu vorgesehene Standardübersicht mit wichtigen Kreditinfos gleich am Beginn stehen. Zudem müssen die Regeln für die Kreditwerbung hinsichtlich der Zahlenangaben verbessert werden, weiters braucht es genauere Angaben bei Ge­samt­kosten und effektiven Jahreszins.  

Die EU Kommission hat im Juli 2021 eine Novelle zur Verbraucherkreditrichtlinie vorgelegt, in dem einige Neuerungen vorgesehen sind. Die AK fordert:

  • Standardinformationen – Wichtiges vorne: Die neu vorgesehene „Standardübersicht“ mit den wichtigsten Punkten zum Konsumkreditangebot sollte ins Zentrum der Informationen gerückt werden. So können KonsumentInnen den wesentlichen Inhalt des Kreditvertrages leichter und schneller erfassen. Das wäre auch für Online-Verträge und Handys gut geeignet. Effektivzinssatz und Gesamtbetrag sollten deutlich hervorgehoben werden. Bankeigene Konditionenblätter mit vielen Info-Lücken sollen nicht mehr erlaubt sein.

  • Konkretere Vorschriften für Kreditwerbung: Die bestehende Regulierung für Zahlenangaben in Kreditwerbungen ist nicht ausreichend. Derzeit werden – trotz der bestehenden Vorschriften – noch immer viele Lockangebote gemacht, die nicht aussagekräftig und irreführend sind. Künftig soll Zahlenwerbung in Kreditwerbungen strenger geregelt werden. Der effektive Jahreszins soll künftig deutlich hervorgehoben und nicht mehr – wie üblich – in kleingedruckten Fußnoten versteckt werden dürfen. Zusätzliche Zahlenangaben über das repräsentative Beispiel hinaus, etwa zu niedrige Kreditzinsen, die Normalverdiener nie erhalten können, sollen nicht mehr erlaubt sein.
     
  • Bessere Angaben von Gesamtkosten und effektiven Jahreszins:  Nach derzeitiger Gesetzeslage müssen von der Bank nur verlangte Kreditversicherungen in die Gesamtkosten des Kredites eingerechnet werden. Diese allzu dehnbare Bestimmung soll fallen: Kreditversicherungen sollen immer in den Effektivzinssatz oder in die Gesamtkosten eingerechnet werden – egal, ob sie freiwillig abgeschlossen oder von der Bank verlangt sind.

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