6.12.2017

Der Schein trog - Ba­na­nen­milch fast ohne Ba­na­nen

Die NÖM warb mit aufgeschnittenen Bananenscheiben auf ihrer Ba­na­nen­milch. Doch drinnen war gerade einmal ein fingernagelbreites Stück Banane.

Der Geschmack kam von synthetischen Aromen. Für die AK eindeutig eine irre­führ­ende Produktaufmachung. Nach einer UWG-Klage der AK liegt nun das rechts­kräftige Urteil des Oberlandesgerichts Wien vor: Fruchtabbildungen kön­nen auch bei korrektem Zutatenverzeichnis irreführend sein – viele Kon­sum­ent­Inn­en lesen die Zutaten nicht genau oder gar nicht.

Irreführende Produktwerbung

Die Produktwerbung der Bananenmilch der Firma NÖM war für die AK irre­führ­end. Der Grund: Die Aufmachung suggerierte, dass der Fruchtgeschmack von den abgebildeten Bananenscheiben stammt. Frisch aufgeschnittene Ba­na­nen­scheiben auf der Vorderseite abgebildet, doch faktisch war der Ba­na­nen­an­teil in der Milch gerade einmal 0,5 Prozent. Der Geschmack kam aus­schließ­lich von synthetischen Aromen. NÖM argumentierte damit, dass aus der Zu­taten­liste ohnedies die tatsächlich enthaltenen Zutaten und somit auch der ge­ringe Fruchtanteil zu entnehmen seien und wies daher den Vorwurf der Irre­führ­ung zurück.

Urteil rechtskräftig

Die AK bekam in erster (Landesgericht Wiener Neustadt) und zweiter Instanz Recht. Das rechtskräftige Urteil des Oberlandesgerichts Wien stellt jetzt klar: Ein korrektes Zutatenverzeichnis allein schließt Irreführung durch die Pro­dukt­auf­mach­ung wie Aussehen, Bezeichnung oder Darstellung einer Zutat nicht aus. Denn viele KonsumentInnen würden die Zutatenliste nicht oder nicht mit großer Aufmerksamkeit lesen, sondern allenfalls flüchtig wahrnehmen. Das vor allem dann, wenn es sich bloß um Waren und Dienstleistungen des täg­lich­en Bedarfs handelt.

Die NÖM darf nach dem Urteil die Bananenmilch mit einem derart niedrigen Gehalt an Früchten als Bananenmilch nicht bewerben. NÖM hatte bereits zwischen­zeitlich die Produktzusammensetzung entsprechend nachgebessert. Die Bananenmilch enthält nunmehr mit sieben Prozent Bananenmark und fünf Prozent Bananensaft einen deutlich höheren Fruchtanteil.

Mehr Klarheit bei der Produktaufmachung

„Das Urteil ist durchaus richtungsweisend“, resümieren die AK Kon­sum­ent­en­schützer­Inn­en. „Bisher gibt es noch kaum Rechtsprechung zu der Frage, ob eine auf der Rückseite abgedruckte Zutatenliste ausreicht, um eine irre­führ­ende Bewerbung eines Produkts richtig zu stellen, etwa durch eine Frucht­ab­bild­ung.“

„Die Konsumenten brauchen mehr Klarheit bei der Produktaufmachung“. Daher verlangt die AK verbindliche Angaben auf der Hauptschauseite der Pro­dukte. Wenn auf der Vorderseite etwa Früchte abgebildet sind, sollte ver­bind­lich und gleich auffällig die dazugehörige Prozentangabe angegeben sein. Soll mit Fruchtabbildungen nur der Geschmack des Produktes gemeint sein, so müsste das mit dem Hinweis „Geschmacksrichtung“ beschrieben werden.

Muster­briefe

Unsere Vorlagen für Ihre Korrespondenz

Das könnte Sie auch interessieren

Gulaschsuppe, in der Keramikschale serviert © kab-vision, Fotolia

Me­tal­le in Tellern & Co

Die Farbglasur von Geschirr aus Keramik kann Metalle enthalten. Wir wollten den Metallen auf den Grund gehen und haben 34 Keramikprodukte getestet.

Mädchen isst Pommes frites © sharafmaksumov, Fotolia

Acryl­amid in Pommes

Krebserregendes Acrylamid findet sich in Geröstetem, Gebackenem und Frittiertem. Ein AK Test zeigt: Niedrigere Richtwerte können eingehalten werden.