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Navi-Apps sind wissensdurstig

Mit dem Handy den Weg finden, Restaurant- und Shoppingempfehlung gleich mitgeliefert – und das alles in einer App. Aber Vorsicht: Navi-Apps sind neugierig. Das zeigt ein AK Stichproben-Test bei neun Navigations-Apps aus dem Android Playstore. Apps wollen umfassende Zugriffsrechte, die nur gänzlich akzeptiert oder abgelehnt werden können. Die KonsumentenschützerInnen der AK warnen: Navi-Apps fordern viele Daten ein. Über genaue Nutzungszwecke darf aber oft gerätselt werden. Unbedenkliche Apps sind von datengierigen, die mehr abfragen, als für ihre Funktion eigentlich nötig ist, damit nur schwer zu unterscheiden.

Am Prüfstand: Transparenz, worauf die Apps zugreifen

Wer ein neues Smartphone kauft, bekommt oft eine Navi-App gleich mitgeliefert. iPhone-Nutzer finden Apple Karten auf ihrem Gerät, Android-Nutzer erhalten Google Maps. Daneben gibt es in den App-Stores jede Menge Gratis- und Kauf-Navi-Apps.

Die AK wollte wissen, wie es bei der Installation um die Transparenz der zu erlaubenden Zugriffsberechtigungen und Datenschutzerklärungen der Anbieter steht. Sie haben beispielhaft neun Navi-Apps aus dem Android Playstore geprüft: Google Maps, TomTom D-A-CH, Mapfactor, Sygic, Wisepilot, CoPilot GPS, Navigon Europe, Navigate 6, M8. 

Große Fragezeichen bei den NutzerInnen

Der AK Test zeigt: Bei der Installation einer neuen Android-App werden Berechtigungen kurz auf dem Bildschirm angezeigt. Doch die NutzerInnen wissen oft nicht, wofür die Zugriffsberechtigungen benötigt werden. Nachvollziehbare wie auch überschießende Nutzungen sind denkbar. Die Erklärungen sind oft intransparent. Zum Beispiel ID lesen –  über die individuelle Gerätenummer sind Nutzerspuren verfolgbar für legitime wie auch missbräuchliche Zwecke. Die Apps verlangen umfangreiche Zugriffsrechte, wobei die konkreten Abfrageberechtigungen höchst unterschiedlich sein können. Zudem können sie Nutzer nur zur Gänze akzeptieren oder ablehnen. Einzeln ausgewählten Zugriffsrechten zuzustimmen, ist bei Android unmöglich. 

Datenschutzerklärungen lassen zu wünschen übrig

Bei sieben von neun Navi-Anbietern konnten Datenschutzerklärungen auf der Website gefunden werden. Drei waren nur in Englisch. Trotz des oft enormen Seitenumfangs (bis zu 15 Seiten) bleibt so manche konkrete Datennutzung im Dunkeln. Einige Anbieter weisen darauf hin, dass persönliche Daten, etwa Positionsdaten nur anonymisiert weitergegeben würden: So heißt es bei einem Anbieter, um „(…) Verhaltensmuster zu analysieren, neue Services zu entwickeln und sie Dritten nach eigenem Ermessen zur Verfügung zu stellen (…)“. In einem anderen Fall werden Daten aber personenbezogen an Dritte weitergegeben, wenn der Anbieter meint, dass es „für die Rechtsdurchsetzung Dritter nötig ist oder den Zwecken der nationalen Sicherheit dient“. Ein Anbieter weist darauf hin, dass persönliche Daten auch in Ländern verarbeitet werden dürfen, in denen die Datenschutzgesetze weniger streng sind als im Wohnsitzland der Nutzer.  

Gefordert: Bessere Informationen für KonsumentInnen

Die AK fordert, dass App-Anbieter ausführlich über die genutzten Daten und ihren Verwendungszweck informieren sollen. Die KonsumentInnen sollen dabei einfach durchschauen können, welche Daten für die Diensterbringung im engsten Sinn erforderlich sind, welche nur im Fall der Nutzung von Zusatzdiensten und welche Zugriffe weiteren Zwecken, etwa Marketinginteressen, dienen. Wünschenswert wäre eine sichtbare Funktion am Handy, die informiert, welche Daten gerade verarbeitet werden.

Zugriffsberechtigungen sollen einzeln deaktivierbar sein.

Smartphones können Apps – während ihrer Installation  – meist nur pauschal den Datenzugriff verbieten (mit der Konsequenz, dass die App nicht installierbar ist). Außerdem sollen zumindest jene Funktionen, die auch missbräuchlich verwendet werden können, etwa kostenpflichtige Dienste kaufen (In-App-Käufe), nur optional verwendbar und somit (de-)aktivierbar sein.

Datenschutz & Privatsphäre bereits bei App-Entwicklung berücksichtigen

Außerdem sind rechtliche Vorgaben nötig, wenn sich der Privacy-by-Design-Ansatz in der App-Entwicklung nicht durchsetzt. Das heißt, der Schutz von Daten und der Privatsphäre muss schon bei der Dienstentwicklung nutzerfreundlich mitbedacht werden. Wer Apps programmiert, sollte sich auch einer Überprüfung durch das Europäische Datenschutz-Gütesiegel unterwerfen.

TIPP

Worauf Sie bei Apps aufpassen sollten:

 

  • Beachten Sie: Google Maps ist  beispielsweise bereits durch das Android Betriebssystem vorinstalliert. Dadurch hat es auch ohne Zutun des Handynutzers schon viele Zugriffsberechtigungen. 

  • Verwenden Sie Navi-Apps im Ausland? Achten Sie darauf, dass das Kartenmaterial downloadbar ist und diese Karten offline verwendet werden können. Das spart oft teure Roamingkosten im Ausland.

  • Etliche Apps verlangen die Aktivierung der Möglichkeit von In-App-Käufen. Vorsicht: Stimmen Sie der Aktivierung zu, aktiviert das auch die In-App-Kauffunktion für alle anderen Apps.

  • Lassen Sie von fragwürdigen Zugriffsberechtigungen bei einer App-Installation die Finger, wenn es keine brauchbaren Erläuterungen gibt.

 

AK App "Frag uns"

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Da­ten­gie­ri­ge Apps

Gläserne KonsumentInnen: Apps sammeln eifrig Daten, Datenschutzrechte sind schwer durchsetzbar. Diesem Ge­schäft muss ein Riegel vorgeschoben werden.

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