Kinderlebensmittel häufig zu fett und zu süß
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Täuschen und tarnen – das gilt oft für die Werbung mit Lebensmitteln. Ein Bild etwa suggeriert, dass es sich um ein gesundes Produkt handelt, aber beim genaueren Hinsehen wird der schöne Schein oft schnell entzaubert. Auch die aktuelle Diskussion um Käse-Imitate zeigt, dass oft nicht drinnen ist, was drauf steht. Und für Kindersnacks gilt, gesundes Naschen gibt es nur in der Werbung.
Ein aktueller AK Test von 41 Kinderlebensmitteln zeigt: Zwei von drei der untersuchten Produkte sind nicht empfehlenswert und sollten demnach nur selten konsumiert werden. Sie sind häufig zu fett und zu süß. Vitamine werden oft nicht gezielt und damit sinnlos verabreicht. Damit bestätigt das Ergebnis den AK Test von 2006 – leider hat sich seither nichts geändert.
Die Erhebung in Kürze
Die AK hat 41 Kinderlebensmittel überprüft – ausgewählt wurden beispielsweise Produkte mit der Bezeichnung Kinder oder die eine attraktive Aufmachung hatten, etwa Comicfiguren, oder deren Werbung sich an Kinder richtet. Eingekauft wurden süße Snacks (14), pikante Snacks (neun), Snacks zum Löffeln (13), Zuckerln und Süßwaren (fünf) – beispielsweise Pumuckl Kinderkäsle, Happy Joghurt, Schokini, Fruchtzwerge oder Milchschnitten. 35 Produkte konnten beurteilt werden, bei sechs fehlte die Nährwertkennzeichnung.
Zu süß, zu fett und zu salzig:
68 Prozent der beurteilbaren Kindersnacks sind nicht empfehlenswert nach ernährungswissenschaftlicher Bewertung und sollten daher allenfalls selten gegessen werden. Weitere 14 Prozent sind nur bedingt empfehlenswert. Bei der Beurteilung wurden die Kriterien der AK Ernährungsampel herangezogen.
Die Ergebnisse:- Der Zuckergehalt ist bei 54 Prozent der überprüften Produkte hoch.
- Der Fettgehalt ist bei 34 Prozent hoch.
- Der Anteil an unerwünschten gesättigten Fettsäuren ist bei 28 Prozent zu hoch.
- Der Salzgehalt ist bei elf Prozent hoch.
- Willkürliche Vitamin- und Mineralstoffanreicherungen: Von den Produkten (15 Prozent), die mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind, werden 83 Prozent hinsichtlich Anreicherung als nicht sinnvoll oder nur bedingt sinnvoll beurteilt.
- 92 Prozent der beurteilten Kinderprodukte enthalten Zusatzstoffe.
- Bei acht Prozent der Produkte sind aus Konsumentensicht unverwünschte Azofarbstoffe enthalten, die im Verdacht stehen Allergien auslösen und zu Hyperaktivität bei Kindern beizutragen. Für bestimmte Azofarbstoffe wird gemäß der EU-Zusatzstoffverordnung nach Ablauf einer Übergangsfrist künftig der Hinweis zwingend vorgeschrieben sein: „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“.
Werbung mit vielen Versprechen
Ein Zehntel der untersuchten Produkte enthält gesundheits-bezogene Aussagen. 39 Prozent enthalten nährwertbezogene Aussagen, davon sind aber nur 75 Prozent der Verordnung entsprechend korrekt etikettiert.
34 von 41 Produkten (83 Prozent) weisen allgemeine Werbebehauptungen auf, etwa sinnvolle Zwischenmahlzeit, Hinweis auf Milch und Milchbestandteile, Verzicht von Farbstoffen oder Konservierungsstoffen oder künstliche Aromen oder haben Sammelbildchen und Spielzeugbeigaben. Auf die Zielgruppe Kinder hinweisende Sujets (insbesondere Comics) finden sich bei allen.
Konsumenten werden oft getäuscht
Sehr oft sind auf Produkten Bilder, Fantasiebezeichnungen oder es werden einzelne Aspekte bei der Zugabe besonders hervorgehoben. KonsumentInnen haben dadurch bestimmte Erwartungen, die sich nicht wirklich erfüllen. Erst wer genau die Details zur Zusammensetzung ansieht, kommt oft drauf, dass die Wirklichkeit anders aussieht. Ein Beispiel: Werden Früchte abgebildet, so herrscht Unklarheit über den Fruchtgehalt.
Ist es etwa ein Fruchtsaft, ein -getränk, -limo, oder Limonade mit oder ohne Fruchtanteile, oder gar nur Aromen. Er sieht aus wie Käse, ist aber kein Käse, sondern eine Mischung aus Milcheiweiß und pflanzlichen Fetten. Die aktuelle Diskussion um den Kunstkäse zeigt, wie wichtig eine klare Kennzeichnung ist.
Die Lebensmittelkennzeichnungs-Verordnung sieht zwar vor, dass Sachbezeichnung, Zutatenliste und mengenmäßige Anteile von wertbestimmenden Bestandteilen gekennzeichnet sein müssen. Allerdings darf sich diese Kennzeichnung beispielsweise auch in wenig übersichtlicher Form auf der Rückseite eines Produkts finden. Bei den Schriftgrößen gibt es derzeit keine gesetzlichen Regelungen.
Was Konsumenten wollen
Umfragen zeigen immer wieder, dass für KonsumentInnen neben der Herkunft und der Frische von Lebensmitteln vor allem auch der Nährwert immer wichtiger wird. Immer mehr Produkte, wie Fertigpizzen, Ketchup, (Kinder)Snacks, Cornflakes oder Wellnessdrinks, haben oft keine Nährwertkennzeichnung oder sie ist unverständlich. Solche Produkte liefern aber oft viele versteckte Fette, unsichtbaren Zucker und häufig auch viel Salz – der Ernährungswert ist für KonsumentInnen schwer einschätzbar.
Bei Basisprodukten wie Fleisch, Butter, Milch oder Brot weiß man in etwa, was man isst, bei der Mikrowellen-Lasagne oder beim Asia-Nudel-Snack wissen nicht einmal Experten vom Fett-, Zucker- und Salzgehalt.
Infos über Fett, Zucker und Kalorien
Die AK weiß aus Umfragen und auch Studien der britischen Food Standards Agency zeigen, dass Konsumenten verlässliche, leicht auffindbare und verständliche Nährwertinformationen wollen und vor allem Fett, Zucker und Kalorien interessieren. Fast jeder Konsument würde gerne "gesünder" essen, wenn’s leichter wäre. Keiner will Gewicht zulegen, viele wollen abnehmen oder ihr Gewicht zumindest halten.
Die derzeitige Nährwertkennzeichnung kommt bei Konsument-Innen kaum an. Sie ist schwer auffindbar oder gar nicht vorhanden. Oft sind die Angaben verwirrend, weil umgerechnet werden muss. Was derzeit gilt, ist genau das, was Verbraucher nicht wollen.
Informationen über Fett, Zucker und Kalorien in einem Produkt muss man oft erst genau suchen, oder man findet sie gleich gar nicht, weil die Nährungswertkennzeichnung freiwillig ist und nur dann nötig, wenn Ernährungs- oder Gesundheitswerbung gemacht wird. Die EU will die Nährwertkennzeichnung neu regeln. Die politische Diskussion darüber läuft auf Hochtouren. Das Europäische Parlament wird sich jetzt nach den EU-Wahlen damit befassen.
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