Hydro Aluminium Nenzing GmbH

"So gesund wie du zur Arbeit kommst, sollst du auch wieder nach Hause gehen", lautet das Credo der Hydro Aluminium Nenzing in Vorarlberg. Bei dem Strangpresswerk für Aluminiumprofile wird Arbeitssicherheit groß geschrieben. Die Arbeitssicherheitsstrategie der letzten Jahre berücksichtigte neben der technischen Absicherung der Anlagen auch zunehmend das Verhalten am Arbeitsplatz.

Technische oder verhaltensorientierte Lösungen?

Nach über zwei Jahren Unfallfreiheit im Vierschichtbetrieb (1,3 Mio. Arbeitsstunden) kam es zu einem Bänderriss: Ein Mitarbeiter war vom Gabelstapler herabgesprungen statt zu steigen.

Was macht mehr Sinn? Am Stapler noch mehr Tritte zum Heruntersteigen anzubringen (technische Lösung) oder auf die MitarbeiterInnen positiv einzuwirken, so dass der vorgegebene Tritt beim Stapler auch verwendet wird (verhaltensorientierte Lösung)?

In den letzten Jahren hat die Hydro Aluminium GmbH neben dem Melden von unsicheren Handlungen und Zuständen verhaltensorientierte Werkzeuge eingeführt.

WOC = Walk, Observe, Communicate

WOC = Walk, Observe, Communicate, also: Hingehen, Hinsehen und Darüber reden war das Werkzeug der Linienverantwortlichen.

WOC soll Bewusstsein, Verhalten und Arbeitsweise aller MitarbeiterInnen optimieren - eine sinnvolle Ergänzung zu Audits, die nicht den Einzelnen ins Visier nehmen, sondern das gesamte Arbeitsumfeld analysieren und Technik sowie Ausrüstung einbeziehen.

Das Wichtigste bei der WOC-Methode ist der Dialog zwischen Vorgesetzten und MitarbeiterInnen. Bei korrekter Durchführung werden Vorgesetzte für alle MitarbeiterInnen sichtbar: Sie demonstrieren ihre Sorge, setzen Standards, begeistern und motivieren.

Wie könnte WOC in der Produktion ablaufen?

  1. Vorbereitung des WOC - wo, wer, was und wann

  2. Stehenbleiben und MitarbeiterInnen beobachten

  3. Reaktionen der MitarbeiterInnen: Arbeitshaltung der MitarbeiterInnen; Arbeitskleidung und persönliche Schutzausrüstung; Werkzeuge und Ausrüstung; Arbeitsweise und Ordentlichkeit

  4. MitarbeiterInnen offen und freundlich ansprechen

  5. MitarbeiterInnen erklären, warum man hier ist

    - sicherheitsbewusstes Verhalten loben - MitarbeiterInnen den Arbeitsvorgang sowie den gerade stattfindenden Schritt erklären lassen

  6. nach dem schwersten denkbaren Unfall seiner Tätigkeit fragen und wie es dazu kommen könnte

  7. MitarbeiterInnen auf beobachtete unsichere Verhaltensweisen oder unsichere Zustände ansprechen

  8. mit den MitarbeiterInnen die sichereren Arbeitsweisen diskutieren

  9. MitarbeiterInnen nach notwendigen Maßnahmen fragen, die eine sichere Arbeitsweise ermöglichen

  10. Bekenntnis zum korrekten Handeln einholen (Vereinbarung treffen)

  11. WOC dokumentieren (Vereinbarung, Name, Datum)

  12. vereinbarte Maßnahmen überprüfen (loben oder korrigieren)

BBS = Behaviour Based Safety

Behaviour Based Safety (BBS) wurde entwickelt, um alle MitarbeiterInnen in den Arbeitssicherheitsprozess zu integrieren. Die MitarbeiterInnnen nehmen die Sicherheitsarbeit aktiv selbst in die Hand. Eine Person beobachtet eine gefährliche Tätigkeit eines anderen. Danach wird diskutiert: Was war positiv? Was kann man verbessern?

Wichtig: Keine Namen und keine Schuldigen! Beide Personen sind nicht aus der Linienfunktion!

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