Kaufsuchtgefährdet - weiblich, ledig, unter 30!

Daniela S., 21 Jahre, ist im Einkaufsfieber – drei Paar Schuhe, zwei Kleider, einen Lippenstift, Nagellack und Lidschatten und zwei Handtaschen. Zu Hause angekommen, wandern die Sackerl teilweise gleich in den Kasten. Es geht ihr nur um das Einkaufen, das Brauchen ist nebensächlich.

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Fast jeder dritte Österreicher ist kaufsuchtgefährdet. In Deutsch-land sind 17 Prozent der Befragten potenziell kaufsüchtig. Das zeigt eine aktuelle AK Studie über Kaufsucht. In Österreich hat das Gallup-Institut 1.000 ÖsterreicherInnen im Auftrag der AK befragt, in Deutschland Emnid im Auftrag des Transatlantik-Instituts der Fachhochschule Ludwigshafen.

Die Zahl der Kaufsuchtgefährdeten hat heuer in Österreich wieder leicht zugenommen (2008: 28 Prozent). Generell zeigt sich: Frauen sind über alle Altersgruppen weitaus stärker kaufsucht-gefährdet und von Kaufsucht betroffen als Männer. Der Anteil der jungen Frauen wird immer größer (2009: 68 Prozent; 2008: 60 Prozent).

Was hinter der Kaufsucht steckt

„Hinter der Kaufsucht stecken oft familiäre Beziehungsprobleme, Einsamkeit oder Minderwertigkeitsgefühle, Frust und Probleme am Arbeitsplatz. Auch die vielen Zahlungsmöglichkeiten trüben häufig den Blick aufs Wesentliche. Angebote von Ratenzahlungen oder Kontoüberziehungen machen das Einkaufen leicht – die Nachwehen sind dann umso schlimmer“, sagt Karl Kollmann, stellvertretender Leiter der Abteilung Konsumentenpolitik.

„Den Konsumzwang können sich viele gar nicht leisten. Wohnen etwa wird immer teurer und auch die Wirtschaftskrise drückt auf die Geldtasche“, so Kollmann. Die Folge: Abrutsch in die Schuldenfalle! Die AK verlangt: Für Kaufsuchtgefährdete ist mehr Prävention und Hilfe nötig.

Deutsche sind weniger stark kaufsuchtgefährdet

30 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind insgesamt kaufsuchtgefährdet (2008: 28 Prozent). Genauer betrachtet: 20 Prozent sind durch ausgeprägten kompensatorischen Konsum deutlich kaufsuchtgefährdet und zehn Prozent praktisch schon kaufsüchtig. Es zeigt sich, dass junge Menschen davon stark betroffen sind. Frauen sind wesentlich mehr gefährdet als Männer. In Deutschland sind 17 Prozent der Befragten kaufsuchtgefährdet. Genauer betrachtet sind zehn Prozent ausgeprägt kompen-satorische KonsumentInnen, sechs Prozent sind von Kaufsucht betroffen. Auch hier sind vor allem junge Frauen mehr gefährdet als Männer.

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In Österreich sind meist Junge im Kaufrausch

Bei den 14- bis 24-Jährigen sind 48 Prozent kaufsuchtgefährdet (2008: 44 Prozent). Davon sind 17 Prozent kaufsüchtig. Bei den jungen Frauen ist das besonders ausgeprägt.

Bei den 24- bis 44-Jährigen liegt die Kaufsuchtgefährdung insgesamt bei 37 Prozent (2008: 32 Prozent).

Auf fast gleichem Niveau blieben die 45- bis 59-Jährigen und die 60+-Jährigen: Knapp jeder fünfte der Befragten ist insgesamt kaufsuchtgefährdet.

Nachdem die Zahl der Kaufsuchtgefährdeten vom vorletzten Jahr auf das letzte Jahr abgenommen hat, zeigt sich heuer ein neuerlicher Anstieg. Stärker kaufsuchtgefährdet sind die beiden jüngeren Altersgruppen, die beiden ältern Gruppen verharren auf vergleichbaren Werten. Und das trotz Wirtschaftskrise.

Frauen und Singles gehen häufiger auf Kauftour

Frauen und Singles gehen häufiger auf Kauftour als Männer
68 Prozent der Frauen sind kaufsuchtbedroht – bei den Männern ist es fast jeder dritte (2008: Frauen 60 Prozent, Männer 40 Prozent). Besonders kaufsuchtgefährdet sind junge Frauen von 14 bis 24 Jahren: Fast jede dritte ist stark und fast jede dritte deutlich kaufsuchtgefährdet. Im Vergleich dazu sind nur ein Prozent der jungen Männer stark und 31 Prozent deutlich kaufsuchtgefährdet.

Außerdem: Wer in einer Partnerschaft lebt, ist weniger kaufsuchtgefährdet als Singles (42 Prozent der Ledigen sind kaufsuchtgefährdet, 27 Prozent Paare, 21 Prozent Verwitwete, 24 Prozent Geschiedene).

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Aus der Spur – Vorsicht, Schuldenfalle!

Vor allem junge Frauen leiden oft unter gemindertem Selbstwert-gefühl. Schlank- und Schönheitswahn der Werbung tragen ihr Scherflein bei. Sie suchen Anerkennung und flüchten in den Konsum. Durch das Einkaufen verspüren sie nur kurzfristig keine innere Leere. Bald beginnt der Teufelskreis erneut von vorne.

Die stark Kaufsuchtgefährdeten, also de facto die Kaufsüchtigen, können ihre Kaufentscheidungen offenbar nicht mehr selbst beeinflussen. Sie sind bereits mit einer realen Suchtproblematik konfrontiert. Wer einmal im Suchtkreislauf ist, für den wird Aussteigen schwierig – auch wenn es die finanzielle Lage mehr als erfordern würde. Die Folgen sind oft Zahlungsunfähigkeit oder sogar Privatkonkurs.

Rund 250.000 Personen sind nach Schätzungen überschuldet. „In den nächsten Jahren wird die Zahl der Privatkonkurse wohl zunehmen“, befürchtet Kollmann. Die Schuldnerberatungen können aber nicht die psychischen Folgen regeln, die als Folgen der Überschuldung auftreten. Die psychische Gesundheit ist gefährdet, Ängste, Depressionen oder Rückzug sind die Folge.

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Mehr Hilfe ist nötig

Den Kaufsuchtgefährdeten muss geholfen werden, verlangt die AK. Ein Drei-Punkte-Forderungskatalog für mehr Vorsorge und Hilfe:

1. Verbraucherbildung in der Schule

Erstmals findet sich in einem Regierungsprogramm, dass es Verbraucherbildung in allen Schulformen geben soll. Die AK fordert, dass Verbraucherbildung rasch als eigenes Unterrichtsfach eingeführt wird oder in ein bestehendes Fach integriert wird, etwa in Geografie und Wirtschaftskunde als Geografie, Wirtschafs- und Verbraucherkunde. Das Konsumentenschutzministerium hat Unterrichtsmaterialien für Lehrer herausgegeben.

2. Mehr Unterstützung durch Therapien

Die AK hatte 2005 für Kaufsuchtgefährdete eine Gruppentherapie probeweise eingerichtet. Nun gibt es ein Therapieprogramm vom Anton Proksch Institut. Hier wäre das Gesundheitsministerium gefordert, um ein breites Angebot zu schaffen.

3. Mehr Hilfe bei Überschuldung

Die Schuldnerberatungen brauchen mehr Ressourcen. Außerdem muss das private Insolvenzrecht reformiert werden, damit hier sozial verträgliche Entschuldungen durchgeführt werden können.

Kaufsuchtgefährdung 2009

In der AK Studie "Kaufsucht in Österreich 2009" wurden repräsentativ 1.000 Konsumentinnen und Konsumenten ab 14 Jahren durch Gallup Österreich im Oktober befragt. Die Kaufsuchtgefährdung wurde mit dem von der Universität Stuttgart-Hohenheim entwickelten und international anerkannten Hohenheimer Kaufsuchtindikator ermittelt.

Dies ist ein Fragenkatalog mit 16 Fragen und eine vierstufige Antwortskala. Aus den Antworten wird ein so genannter GABS-Score (German Addictive Buying Scale) gebildet, der über das Ausmaß der Kaufsuchtgefährdung Auskunft gibt. Bei der Kauf-suchtgefährdung wird zwischen einer deutlichen (ausgeprägt kompensatorisch kaufenden) und starken (de facto Kaufsucht) unterschieden.

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