Jugendschutz bei Handys meist Fremdwort
-
|
Mehr
Kostenfalle Handy
Die Eltern des 14-jährige Fabio fallen aus allen Wolken – ihr Sohn hat eine Handyrechnung von 500 Euro. Was steuern eigentlich Handyanbieter bei, um den Eltern die Handyauswahl, Kostenkontrolle oder sichere Nutzung für die Kids zu erleichtern?
Die AK hat bei vier Anbietern nachgefragt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Auf Nummer sicher gehen Kids mit Wertkartenhandys. Bei Vertragshandys fehlen oft individuelle Kostenlimits, Anbieter-Internetsperren und einheitliche Kontrollen für bestimmte Inhalte. Manche Anbieter haben einen Minischutz – die wenigen Extras sind uneinheitlich und kosten teilweise etwas, kritisiert die AK.
Vertragshandys ab 10 oder ab 14 Jahre
Die AK Erhebung bei den Handyanbietern A1, T-Mobile/tele.ring, Orange und Drei zeigt: Je nach Anbieter gibt es ein Vertragshandy für Jugendliche ab zehn oder ab 14 Jahre – nur mit einem Einverständnis und einer Haftungserklärung der Eltern. Für einen selbstständigen Vertragsabschluss müssen die Jugendlichen volljährig sein.
Für besten Schutz sorgen Wertkarten, raten die meisten Handyanbieter. Aber das entspricht nur selten der Realität. Bei Wertkarten gibt es Extras für die Kleinen – zum Beispiel kostenlose Kinder-TV-Kanäle sollen die Kleinen bei Drei bei Laune halten. Ist das Guthaben alle, können Kids bei Orange ein „Call me“-SMS zur Wiederauflade-Erinnerung an die Eltern senden, zeigt der AK Test.
Keine Kostenbegrenzung bei Vertragshandys
Dienste zur Kostenbegrenzung für Kinder mit Vertragshandys gibt es so gut wie keine. Bloß Altkunden von Orange können (im nicht mehr aktiv angebotenen Tarif Hallo Europa 5) gegen einen Euro pro Monat individuell ein monatliches Nutzungslimit (zwischen 15 und 150 Euro) wählen. Bei Datendiensten warnen die Anbieter per SMS vor dem baldigen Verbrauch der Datenpauschale oder bei bestimmten Überschreitungssummen.
„Schutzengel Manfred“ (Orange) warnt Neukunden automatisch nicht nur bei 90-prozentigem Datenverbrauch, sondern auch, wenn weniger als 60 Freiminuten und 20 SMS übrig sind. Wer schon vor Mitte Mai Kunde wurde, zahlt nach dreimonatiger Testphase dafür monatlich 1,50 Euro.
Internetzugang standardmäßig dabei
Der Internetzugang am Handy ist bei allen Anbietern standardmäßig aktiviert. Bei A1 und Drei kann das Internet nur am Handy deaktiviert werden – keine Hürde für findige Kids, die die Handyeinstellung jederzeit wieder ändern können. Bei Orange und T-Mobile/tele.ring ist auf Elternwunsch auch eine Internetsperre vom Anbieter her möglich, was bei Letzterem aber 20 Euro kostet.
Bei T-Mobile/tele.ring und Drei greifen Safety-Packages automatisch, wenn bei Vertragsabschluss bekanntgegeben wird, dass der Handynutzer minderjährig ist: bei Drei sind Mehrwertdienste, Erotikdienste auf 3Planet und Roaming gesperrt; bei T-Mobile/tele.ring überdies auch der Zugang zu Auslandsrufen und kostenpflichtigen Portal-Downloads. Bei Orange greift eine „Jugendschutz-Sperre“ für Mehrwertdienste – 16+-Portalinhalte und Bezahlen per Handy geht nur auf Elternwunsch.
AK verlangt spezielle Handyverträge für Kinder
Hohe Handyrechnungen sind für viele Jugendliche bereits die Einbahn in die Verschuldung. Kids finden im Nu die wichtigsten Funktionen bei den Handys heraus. Da bei Vertragshandys für Jugendliche meist der Schutz sehr zu wünschen übrig lässt, verlangt die AK spezielle Kinderverträge von den Betreibern.
Forderung
Konkret fordert die AK:
Kostengrenzen festlegen:
Monatliche Kostenlimits für Anrufe, SMS und Datentransfers bei Vertragshandys sollen kostenlos vereinbart werden.
Mehrwertdienste & Co sperren:
Alle Anbieter sollen Mehrwertdienste, nicht altersgerechte Angebote und Roaming bei der Vertragsanmeldung Minderjähriger automatisch sperren. Nur auf Wunsch der Eltern sollen solche Dienste freigeschalten werden.
Mehr Elternautonomie:
Eltern sollen den Zugang zu Diensten bedarfsgerecht steuern können, etwa Ankreuzen im Anmeldeformular, ob Internet, mobile Zahlung, … gebraucht wird.
Warnung, wenn’s was kostet:
Kinder brauchen markante Hinweise, wenn sie Gratis-Portale verlassen und kostenpflichtige Datenverbindungen aufbauen. Hier fehlen meist Hinweise, wie groß die Dateien sind.
Familiäre Spielregeln für Handynutzung nötig
Zwei Drittel der schulpflichtigen Kinder haben laut Umfragen Handys. Die Hälfte der Kids hat das erste Handy zwischen dem siebenten und zehnten Lebensjahr bekommen. Unter den 13- bis 14-Jährigen nutzen schon rund 80 Prozent Vertragshandys. Familiäre Spielregeln fürs Fernsehen sind üblich, aber ebenso für die Nutzung des Handys nötig.
Tipp
Die AK rät:
1. Nehmen Sie das Handy gemeinsam mit Ihrem Kind „in Betrieb“: Menü und Kostenabfrage (etwa Hotline, SMS, App) erkunden.
2. Legen Sie Kostenlimits und die Art der Dienste fest.
3. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, den Kontostand regelmäßig abzurufen.
4. Lassen Sie Mehrwertdienste beim Anbieter kostenlos sperren. Legen Sie aber zumindest genaue Regeln für die Nutzung von SMS-Mehrwertdiensten wie Abos oder Handy-Chats mit Ihrem Kind fest.
5. Soll der Nachwuchs telefonieren können, aber noch nicht ins Internet, dann lassen Sie den Zugang netzseitig sperren oder deaktivieren Sie ihn zumindest über das Menü.
6. Geben Sie schon bei Vertragsabschluss an, dass das Handy von einem Kind verwendet wird. Bei manchen Anbietern greifen dann automatische Jugendschutzsperren, etwa beim mobilen Bezahlen.
-
|
Mehr
